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Buddhismus in Halle zu DDR-Zeiten

veröffentlicht um 16.09.2014, 12:30 von Lucius Bobikiewicz   [ aktualisiert: 16.09.2014, 13:33 ]

Auf der Seite info-buddhismus.de gibt es von Tilo Götze Regenbogen einen sehr interessanten Artikel über Buddhismus in der DDR, in dem Halle eine ganz besondere Rolle einnimmt:

Unser Halle an der Saale war der einzige Standort in der DDR, an dem es ein Institut für Buddhistische Forschung gab!


Hier ein paar Auszüge aus dem sehr gut geschriebenen und sehr spannenden Artikel - der uns leider mal wieder auch in die dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte führt - aber das lest ihr dann besser selbst im Original-Artikel.

"Das „Buddhistische Zentrum“ hieß eigentlich Buddhist Centre, denn es war ans Ausland adressiert und in Halle/Saale gelegen⁵⁸, nicht in Leipzig. Laut Buddhist yearly 1966, S. 59, dem 1966–1970 zumeist mit umfangreichen Supplement-Bänden erscheinenden Jahrbuch des Zentrums, wurde es am 10. März 1966 gegründet. Dort wurde der Name des Zentrums synonym gebraucht für eine Arbeitsgemeinschaft für Buddhistische Forschungen in der DDR. Über die Gründung und Eröffnung mitten in der „Zeit des Neubeginns“ zwischen Mauerbau und Prager Frühling⁵⁹, wird mit Namensnennung einiger Gäste, darunter Professoren aus Halle und Gaststudenten aus Ländern Südostasiens, berichtet.
[...]

Ein spezieller Raum mit Arbeitsplätzen, Bibliothek und Exponaten in Vitrinen wurde als Buddhist Centre eingerichtet.⁶⁰ Es handelte sich also nicht um ein tatsächlich buddhistisches Zentrum, sondern um einen Raum für wissenschaftliche Buddhismus-Studien der Art, wie sie staatlicherseits erwünscht waren. Wie nahezu alles in der DDR war auch der Buddhismus hier verstaatlicht. Eine Konferenz zur buddhistischen Geschichtsforschung und eine Ausstellung buddhistischer Kunst aus den Museumssammlungen sozialistischer Länder wurden angekündigt und später auch realisiert. Wissenschaftliche Bibliographien, Festschriften wie die für den Forscherkollegen Johannes Schubert, Ausstellungs- und Tagungsbeiträge zum Indienbild in der DDR⁶¹ erscheinen in der Folge und 1972 ein von Heinz Mode herausgegebener Band Zweihundertfünfzig Jahre Halle – Indien: Anläßlich des fünfundzwanzigsten Jahrestages der Unabhängigkeit Indiens – merkwürdigerweise ein Supplement zum nicht mehr erschienenen Jahrbuch Buddhist yearly 1972, um das sich vielleicht eine Konfliktgeschichte rankt. "




Arbeitsraum des „Zentrums für Buddhistische Studien in der DDR“
 Obergeschoß des Robertinums, 1968


Beide Bilder © Institut für Orientalische Archäologie und Kunst
der Universität Halle-Wittenberg,
Prof. Dr. Markus Mode 2013.


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